Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen

Yad Vashem Lectures
Ordnung und Vernichtung - Anmerkungen zur Polizei des NS-Staates

Cover des Ausstellungskatalogs „Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat"
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Von Prof.'in Dr. Sabine Mecking 5. Januar 2018 Veranstaltungen


Im Rahmen der seit 2016 an der FHöV NRW veranstalteten Yad Vashem Lectures referiert am 29. Januar 2018 der Historiker Dr. Wolfgang Schulte (Deutsche Hochschule der Polizei, Münster-Hiltrup) in der Aula der Abteilung Duisburg über das Thema "Ordnung und Vernichtung – Anmerkungen zur Polizei des NS-Staates". Die Veranstaltung findet von 13:30 Uhr bis 15 Uhr statt.

Der Vortrag gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden die wesentlichen Entwicklungsprozesse der Polizei des NS-Staates vorgestellt. Dabei wird es darum gehen, sowohl den neuen Aufbau der Organisation als auch die Veränderungen in der Personalstruktur deutlich zu machen. Die Polizei wird auf Reichsebene zentralisiert (Verreichlichung), es kommt zu einer Aufweichung der normativen Kontrolle ihres Handelns, woraufhin die Grenzen zu Parteiformationen, vor allem zur SS, fließend werden (Entstaatlichung).

Vor diesem Hintergrund wird die Polizei zu einem willfährigen Instrument des nationalsozialistischen Terrorregimes. Sind es in der Anfangszeit vor allem die politischen Gegner des Nationalsozialismus, die von der Polizei intensiv verfolgt werden, so geraten im Verlauf der 1930er Jahre immer mehr Menschen aus rassischen und sozialen Gründen in den Fokus der Polizei. Über vielfältige Repressionen, vor allem aber durch das Instrument der Schutz- beziehungsweise der Vorbeugungshaft wird sie zum willigen Vollstrecker eines Systems kategorialer Ungleichheit, mit dem im nationalsozialistischen Staat die „Volksgenossen“ von den „Volksschädlingen“ getrennt werden. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist es die Polizei, die vor allem in den ersten Jahren bis zur Wannseekonferenz 1942 maßgeblich am Völkermord an den Juden und anderen ethnischen Gruppen beteiligt ist.

Im zweiten Teil des Vortrags wird es um den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit innerhalb der Nachkriegspolizei und in den Polizeien der Bundesrepublik Deutschland gehen. Bis in die 1990er Jahre gelang es interessierten Kreisen, die Beteiligung der Polizei an den nationalsozialistischen Verbrechen zu negieren beziehungsweise als Einzelfälle abzutun. Das so entstandene Bild einer „sauberen Polizei“ wurde erst, beginnend mit den Forschungen Christopher Brownings, in den Jahren nach 1990 gründlich revidiert und auf eine wissenschaftlich redliche Basis gestellt.

Die neue Perspektive auf die Polizeigeschichte verdeutlichte auch die Ausstellung „Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat“ der Deutschen Hochschule der Polizei und des Deutschen Historischen Museums 2011 in Berlin. Die Projektleitung oblag dem Referenten und Dr. Detlef Graf v. Schwerin. Siehe hierzu auch den im gleichen Jahr erschienenen Ausstellungskatalog (Buchcover).

Lehrende, Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FHöV NRW sind herzlich willkommen!