Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen

Todesnachrichten verantwortungsvoll überbringen
Neu entwickeltes E-Learning-Modul jetzt bundesweit einsetzbar

Quelle: Universität Konstanz
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Von Prof. Dr. Tobias Trappe 4. April 2019 E-Learning


Das Überbringen von Todesnachrichten gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben polizeilicher Arbeit. Es erfordert im hohen Maße soziale und persönliche Kompetenzen der eingesetzten Beamten, setzt aber ebenso auch klar strukturierte Abläufe voraus, die es der Polizei ermöglichen, ihre Verantwortung gegenüber den Opfern (Angehörigen, aber auch Ersthelfern, Zeugen sowie den Einsatzkräften selbst) gerecht zu werden.

Im Rahmen eines Forschungs- und Transferprojektes unter der Leitung von Frau Prof.‘in K. Mahlke (Universität Konstanz) wurde jetzt erstmalig ein BlendedLearning-Kurs entwickelt, der diese verantwortungsvolle Aufgabe im Rahmen einer elektronischen Lernanwendung vermittelt. Kooperationspartner dieses EU-geförderten Vorhabens mit dem Titel "Death NotificationwithResponsibility" waren die Kreispolizeibehörde Kleve sowie Prof. Dr. Tobias Trappe von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in NRW. Durch die Zusammenarbeit der drei Projektpartner öffnet sich jetzt für die bundesweite Aus- wie Fortbildung der Polizei eine neuartige Möglichkeit, das Überbringen einer Todesnachricht durch den Einsatz digitaler Module ebenso praxisnah wie eindringlich zu schulen.

Aus den unterschiedlichen Perspektiven von Angehörigen und Polizeibeamten/innen, aber auch Ärzten, Bestattern oder Mitarbeiter/innen von Hospizen können die Kursteilnehmer/innen schrittweise ein komplexes Bewusstsein ihrer Verantwortung entwickeln. Ergänzt wird die Lernanwendung durch zahlreiche Erweiterungen, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit grundlegenden Herausforderungen der Polizei im Angesicht des Todes ermöglichen. „Zu den weiteren Besonderheiten dieser Lernanwendung“, so ergänzt Prof. Dr. Tobias Trappe, „gehört es, dass unsere Studierenden von Anfang an bei der Konzeptionierung des Moduls beteiligt waren und die Entwicklung der Schulung kontinuierlich begleitet haben“. Dadurch wurde insbesondere sichergestellt, dass die neue Lernanwendung den Wahrnehmungs- und Lerngewohnheiten gerade auch junger Menschen gerecht wird. Das Projekt ist so ein innovativer Baustein in der Digitalisierung der Lehre, wie sie im Hochschulentwicklungsplan des Landes NRW vorgesehen ist.

Bundesweit stößt die Lernanwendung inzwischen nicht nur bei den Länderpolizeien auf Interesse; auch an der Berliner Charité wird derzeit eine Adaption des Blended Learning-Kurses im Rahmen der ärztlichen Fortbildung geprüft.