Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen

Historisches Fenster Mai 2015
9. Mai 1975. Todestag von Walter Pauli und Philip Werner Sauber in Köln

29. Mai 2015 Historisches Fenster

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Prof. Dr. Heike Wüller, Forschungsgruppe BiBeLL

Bis heute ist schwer zu sagen, was ganz genau in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1975 auf einem Parkplatz in Köln-Gremberg geschah. Sicher ist: Am Ende einer polizeilichen Kontrolle gab es zwei Tote, Walter Pauli und Philip Werner Sauber. Nach dem einen, einem 22 Jahre jungen, noch dienstunerfahrenen Polizisten, ist heute die Straße in Köln benannt, an der das Polizeipräsidium liegt. An den anderen, zum Zeitpunkt seines Todes 28 Jahre alt, von der zeitgenössischen Presse als „Anarchist“ [1], „Terrorist“ [2] und „Polit-Gangster“ [3] tituliert, wird in literarischen Werken, geschrieben von engen Vertrauten, erinnert. Die Wege von Walter Pauli und Philip Werner Sauber kreuzten sich am 9. Mai 1975 in Köln auf tragische Weise, bis zu diesem Tag waren diese sehr unterschiedlich verlaufen.

Walter Pauli, am 16. Januar 1953 in Ochtendung geboren, hatte nach dem Schulabschluss zunächst eine Lehre als Schornsteinfeger absolviert, dann die Fachhochschulreife erlangt und am 1. Oktober 1973 an der Landespolizeischule Carl Severing in Münster seine Ausbildung zum Polizisten begonnen. In der Bereitschaftspolizei-Abteilung Wuppertal setzte er seine Ausbildung fort und wurde dann ab September 1974 in Stukenbrock zusammen mit anderen jungen Beamten auf die sogenannte erste Fachprüfung vorbereitet. Nach Abschluss seiner Ausbildung begann er, jetzt im Dienstrang eines Polizei-Hauptwachtmeisters, am 27. März 1975 seinen Dienst in Köln im Schutzbereich Südost in Köln-Kalk. Die Arbeit in der Großstadt betrachtete Pauli wohl als Zwischenstation, er hatte sich vorgenommen, möglichst rasch den Aufstieg in den Gehobenen Polizeidienst zu schaffen, um danach gleich in der Nähe seines Heimatortes Gebhardshain bei Betzdorf an der Sieg seinen Dienst verrichten zu können. Der Einsatz in der Nacht zum 9. Mai 1975, Christi Himmelfahrt, war einer seiner ersten in der neuen Dienststelle. [4]

Anwohner hatten in dieser Nacht gegen 1.00 Uhr die Polizei alarmiert, weil sie drei von ihnen beobachtete Männer des Autodiebstahls verdächtigten. Die Polizei traf kurz darauf mit drei Streifenwagen am Parkplatz in Köln-Gremberg ein, auf dem das Auto mit den drei Männern stand. Als ein vierter Polizeiwagen, in dem Walter Pauli saß, vor Ort ankam, hatte die Kontrolle der drei Verdächtigen schon begonnen. Aufgefordert zwecks körperlicher Durchsuchung ihr Auto zu verlassen, war der Beifahrer aus dem Fahrzeug gesprungen und weggelaufen. Aus seiner mitgeführten Waffe gab er fliehend Schüsse ab. Bei der folgenden Schießerei wurden Walter Pauli und der Flüchtende, es handelte sich um Philip Werner Sauber, getötet, ein weiterer Polizist und ein zweiter Wageninsasse wurden schwer verletzt. Es stellte sich heraus, dass es sich bei den beiden anderen Männern im Auto um Roland Otto [5] und Karl Heinz Roth[6] handelte, der eine wegen eines Banküberfalls zu einer Strafe von vier Jahren Gefängnis verurteilt und nach einem Hafturlaub flüchtig, der andere junger Arzt, als ‚Aktivist‘ in der Studentenbewegung und in der ‚militanten Arbeiterbewegung‘ engagiert, im Polizeicomputer als „Anarchist“ registriert. Roth wird viele Jahre später in einem Zeitungsinterview erläutern, warum die drei Männer sich in der Nacht auf dem Parkplatz in Köln-Gremberg aufgehalten hatten: „Wir trafen uns, weil ich einen Illegalen medizinisch untersuchen und behandeln sollte“. [7]

Werner Philip Sauber, der zweite am 9. Mai 1975 Getötete, war 1947 in der Schweiz geboren. Wie die Welt seiner Kindheit und Jugend aussah, schildert sein Freund Daniel de Roulet im autobiografischen Bericht „Double“. „Leo“ heißt Werner in de Roulets Text, nur unter diesem Vornamen kannte der Autor ihn. [8] Beide, de Roulet und Sauber, waren am Ufer des Zürichsees aufgewachsen. „Zwei Fingerbreit nach links das Grundstück eines gewissen Fabrikanten, die Wälder jenes anderen, das Landgut von soundso. Die Runde um den See ist kurz genug, um die Enge dieser Welt zu wahren. Jedes Grundstück hat einen Besitzer, jeder Besitzer eine Villa. Jede Villa einen Namen und einen Ruf, den es zu verteidigen gilt.“ [9] Werner Sauber besuchte die Handelsschule, entdeckte früh seine Affinität zum Filmemachen. Schon mit 18 Jahren drehte er ein erstes kleines Werk. De Roulet zitiert Werners/Leos besten Freund dieser Tage: „Seine Eltern lehnten ihn ab. Ich war einmal bei ihm zu Hause, und es war grauenhaft. Die Eltern lebten in einer Villa, aber diese kam mir vor wie eine Burg oder Festung. Da herrschte eine kalte, urprotestantische, eiskalte Atmosphäre. Als er zwanzig wurde, bekam er zwar schon ein Auto, Geld gaben sie ihm jedoch keins. Aber er wollte auch keins. Wie er funktionierte, das war auch ein starkes Auflehnen gegen das Elternhaus. Er hatte einen extremen Gerechtigkeitssinn. Er war ein hervorragender Fotograf, ein supersensibler Typ.“ [10] Der Vater, „dem durchaus an einer ernsthaften Ausbildung gelegen ist, in einem Metier, für das sein Sohn bereits einiges Talent bewiesen hat“ [11], finanzierte dem Sohn das Studium, und zwar in Berlin an der gerade neu gegründeten Filmakademie. [12] In Berlin lernte Werner seine Lebensgefährtin Ulrike kennen, zog dann mit ihr und ihrem kleinen Sohn zusammen. Schließlich wohnten die drei in einer alten Fabrik in der Grunewaldstraße 88, wo sich Werner und seine Freundin im „Zentralrat der sozialistischen Kinderläden Westberlin“ engagierten und gemeinsam an der Agitationszeitschrift „883“ arbeiteten. Beide befreunden sich eng mit Holger Meins, einem Kommilitonen Werner Saubers an der Filmakademie.

Über die gemeinsame Zeit in Berlin erzählt die Lebensgefährtin Ulrike Edschmid in ihrem Roman „Das Verschwinden des Philip S.“. Sie schildert das Leben zu dritt – Philip [13], sie und ihr kleiner Sohn -, das gemeinsame Engagement in der Kinderladen-Bewegung, die Teilnahme an politischen Protestaktionen, die zunehmend aggressiv werden und zwar von zwei Seiten: „Zum ersten Mal bilden die Demonstranten Reihen und gehen eingehakt auf die Polizisten zu. Zum ersten Mal wird Tränengas eingesetzt. Was geschieht, entwickelt sich zu einer Schlacht, bei der am Ende niemand weiß, ob einer von den zweitausenddreihunderteinundsiebzig Steinen, die danach auf der Straße gezählt werden, einen Menschen getroffen hat.“ [14] Das Paar entscheidet sich für die politische ‚Aktion‘, mit Reden alleine, glauben beide, sei nichts zu erreichen: „Scheiben der griechischen Botschaft gehen zu Bruch, aus dem Auto eines für irgendein Unrecht verantwortlichen Richters schlagen Flammen, auf den weißen Amischlitten eines unbekannten Besitzers sprüht Philip S. in roten Lettern das Wort ‚Arbeitermacht‘, an der Wand eines Senatsgebäudes prangert er in großen Buchstaben den für die Polizei verantwortlichen Innensenator an […].“[15] Als Holger Meins eines Tages eines Sprengstoffanschlags auf ein Polizeifahrzeug beschuldigt wurde, geraten auch Sauber und seine Freundin ins Visier der Polizei, die deren Wohnung mehrfach durchsuchte. Die drei, Meins, Sauber und seine Freundin Ulrike, werden verhaftet und als sich herausstellte, dass sie alle nicht an dem Anschlag beteiligt gewesen waren, wieder freigelassen. Die vierwöchige Haftzeit scheint rückblickend der entscheidende Moment für die Radikalisierung Philip Werner Saubers gewesen zu sein. „Für Leo steht fest, daß er nie wieder auch nur einen Tag im Gefängnis verbringen wird, auch wenn er dafür in den Untergrund gehen muß: ‚Das heißt ganz einfach, daß sie jeden, den sie von uns haben wollen, einlochen können. Verhaftungsgründe hat ihnen jeder arbeitende Genosse schon geliefert.‘“ [16]

In Zürich tauchte Saubers Name 1973 im Kontext der Hausdurchsuchung einer Wohngemeinschaft auf, bei der Pistolen und Munition gefunden wurden. Angeblich sollte Sauber sie beschafft haben. De Roulet beschreibt literarisch, was dann passierte: Leo habe seine Lebensgeschichte „häufchenweise“ verschwinden lassen müssen. „Nicht der kleinste Fetzen Papier soll zurückbleiben. Nachdem er die letzten Aschereste seines allerletzten Terminkalenders verstreut hat, tritt er die Flucht an. Beruf: Untergrundkämpfer. Einziger Name: Leo. […] Später wird sich herausstellen, daß die gegen Leo erhobenen Verdachtsmomente für eine Verhaftung nicht ausgereicht hätten.“ [17]

Philip Werner Sauber ging jetzt für eine Weile nach Paris, wo er sich unter anderem Arbeitern aus der Automobilindustrie anschloss, um mit ihnen eine „Art gesamteuropäischer Gewerkschaft“ zu gründen. [18] Im Herbst 1974 schließlich zog Sauber nach Köln, arbeitete dort als ungelernter Arbeiter bei Klöckner-Humboldt-Deutz, auch hier politisch aktiv: „Gleiche Lohnerhöhung für alle. Arbeitszeitverkürzung. Verlängerung der Pausenzeiten. Erziehungsurlaub auch für Väter.“ [19] Wenig später verlor er sein Leben. [20]

Kurz nach Philip Werner Saubers Tod gab die „Bewegung 2. Juni“ eine Erklärung heraus: „Wir rufen euch zur praktischen Solidarität mit dem Internationalisten und antifaschistischen Kämpfer Werner Sauber auf, der in Köln von der Polizei erschossen worden ist. Der Genosse Werner Sauber hat in jahrelanger legaler und illegaler Arbeit unermüdlich den militanten Kampf mitorganisiert. Wir und die ganze revolutionäre Bewegung in Europa haben einen starken Kämpfer verloren. Sein Tod trifft uns tief!“ [21]

Die „Bewegung 2. Juni“, der Werner Sauber sich offenbar angeschlossen hatte, war eine eigenständige linksterroristische Gruppierung, die sich um die Jahreswende 1971/72, also ein Jahr nach Gründung der RAF, gebildet hatte. Die Namensgebung verweist auf den Tod des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967. Wichtiger Auslöser für ihre Gründung war der Tod eines der Aktivisten der sogenannten Tupamaros West-Berlin, Georg von Rauch, der von einem Polizisten erschossen worden war. Ein Teil der Tupamaros, einer zwischen 1969 und 1970 aktiven linksterroristischen Kleingruppe unter Dieter Kunzelmann, entschied sich darauf für den „bewaffneten Kampf“, also für die Umsetzung einer Strategie, die auch die RAF verfolgte. In Reaktion auf den Tod von Holger Meins, der am 9. November 1974 an den Folgen eines Hungerstreiks in der Haft gestorben war, plante die „Bewegung 2. Juni“ die Entführung des Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann, der beim Versuch der Umsetzung der Tat getötet wurde. Als wahrscheinlich bekanntestes Beispiel für die Aktivitäten der „Bewegung 2. Juni“ ist die Entführung des Berliner CDU-Politikers Peter Lorenz, durch die fünf inhaftierte Gefangene aus dem linksterroristischen Umfeld freigepresst wurden, in die Geschichte eingegangen.

Die Unterschiede zwischen der „Bewegung 2. Juni“ und der RAF erläutert Philip Werner Sauber in einem von ihm im Januar 1975 verfassten Papier: „Während der Studentenbewegung entstand neben der RAF, weit weniger spektakulär, eine zunächst militante, dann bewaffnete Bewegung. Jedoch im Gegensatz zur RAF werden die bewaffneten Aktionen der Berliner Bewegung im Wesentlichen von proletarischen Genossen bestimmt, sie fanden nicht bei der linken Prominenz und im liberalen Bürgertum, sondern in ihrer sozialen Umgebung Unterstützung. Aus den Haschrebellen und der proletarischen Subkultur formierte sich eine Gruppe, die vor allem die Justizkampagne mit militanten Aktionen unterstützte und vorantrieb. Über die Untergrund-Zeitung 883 agitierte sie für eine organisierte Massenmilitanz und für Kommandoaktionen.“ [22] Der RAF wirft Sauber ihre elitäre Haltung vor: „Der RAF fehlt die Orientierung an den Kampfformen der am meisten Ausgebeuteten: Frauen, Ausländer, junge deutsche Hilfsarbeiter. Eine praktische Auseinandersetzung über die Verbindung des bewaffneten Kampfs mit militanten Proleten wurde von der RAF nicht akzeptiert. […] Auch im Gefängnis führen RAF-Genossen die Elite-Linie fort. Es scheint so, als ob die verschärfte Einzelhaft extra ihretwegen erfunden worden wäre. […] Die Bewegung [2. Juni] hat gelernt, dass nicht die linke Szene die revolutionäre Kraft ist, sondern die Massenarbeiter, der Lehrling, die gefangenen Proleten, die rebellierenden Frauen in der Fabrik und im Stadtteil.“ [23]

Im Weiteren analysiert Sauber in seinem Text die Zustände der arbeitenden ‚Klasse‘ in der Bundesrepublik, und zwar ebenso akribisch wie kritisch: „Der Druck ist vielfältig: Massenentlassungen, Razzien, Abschiebeaktionen, Kindergeldkürzungen bei den ausländischen Arbeiterinnen und Arbeitern. Lehrstellenstop, Druck in den Berufsschulen, Räumung vieler Jugendzentren bei den Lehrlingen. Der Druck setzt sich bei denen fort, die oft schwankend zwischen den Ausgebeuteten und der Staatsseite stehen: Vertragskürzungen und Beschneidung der Aktionsmöglichkeiten bei den Sozialarbeitern, Versetzungen, Kündigungen, Berufsverbote bei den Lehrern und anderen Berufen des öffentlichen Dienstes.“ [24] So sehr sich der deutsche Staat vielfältiger Attacken aus linksextremistischen und linksterroristischen Kreisen in diesen Jahren ausgesetzt sah, so deutlich wird doch gerade hier, denn Saubers Text steht pars pro toto, zugleich auch dies: Nicht zwangsläufig sind es seine Repräsentanten (der öffentliche Dienst), der von den Aktivisten als Gegner gesehen wird. Nicht anders hatte es auch schon Ulrike Meinhof gehandhabt, „der Bulle“ war nicht per se der Feind, Meinhofs Argumentation im „Konzept Stadtguerilla“ war im Gegenteil um einiges differenzierter und komplizierter: „Wir machen nicht ‚rücksichtslos von der Waffe Gebrauch‘. Der Bulle, der sich in dem Widerspruch zwischen sich als ‚kleinem Mann‘ und als Kapitalistenknecht, als kleinem Gehaltsempfänger und Vollzugsbeamten des Monopolkapitals befindet, befindet sich nicht im Befehlsnotstand. Wir schießen, wenn auf uns geschossen wird. Den Bullen, der uns laufen lässt, lassen wir auch laufen.“ [25]

Und auch die „Bewegung 2. Juni“ nutzte den Tod von Philip Werner Sauber nicht etwa zur Generalabrechnung mit der Polizei: „Wir wissen, dass die Polizei nicht unser Hauptfeind ist, sondern der Kapitalismus, sein Staat, die Profitgier, die unser aller Leben mehr und mehr zerstört. Aber wir wissen auch, dass es die Aufgabe der Polizei ist uns zu fangen, lebend oder tot! […] Wir gehen den Polizisten aus dem Weg, weil es nicht unser Ziel ist, sie zu töten. […] Aber wenn wir angegriffen werden, dann kämpfen wir!“ [26]

Und die Polizei? Wie eine Auswertung zeitgenössischer polizeilicher Fachzeitschriften ergab, wurde im theoretischen Diskurs innerhalb der Polizei durchweg die Annahme vertreten, die politischen Aktivisten suchten gezielt die Konfrontation mit der Polizei, sie würden „rücksichtslos“ von der Waffe Gebrauch machen. [27] Weit weniger als darüber, wo und wie sie sich im demokratischen Rechtsstaat grundsätzlich zu verorten habe, wurde nun innerhalb der Polizei vor allem sehr pragmatisch darüber diskutiert, welche möglichen Maßnahmen gegen die terroristische Bedrohung ergriffen werden und wie die Sicherheitsbehörden sich zielführend der Bevölkerung als verlässlicher Garant der „Inneren Sicherheit“ präsentieren könnten.

Nicht erst heute wissen wir, dass die Bundesrepublik durch die linksterroristischen Anschläge der 1970er und 1980er-Jahre niemals ernsthaft in ihrem Bestand bedroht war. Auch schon zeitgenössische Quellen, wie etwa die „Analysen zum Terrorismus“, die das Bundesinnenministerium 1981-1984 herausgegeben hatte, kamen zu diesem Urteil. [28] Dennoch war der Staat „in Stellung“ gegangen [29] gegen linke Extremisten und Terroristen, ja mitunter, wie es manchem schien, sogar gegen die gesamte Bevölkerung. Die „Innere Sicherheit“ wurde überhaupt erst jetzt, in den 1970er Jahren, zum Leitbegriff der Innenpolitik. „Die Polizei hat während der siebziger Jahre ihre Organisation gestrafft, ihr Personal vermehrt, ihr Arsenal an Instrumenten erheblich erweitert.“ [30]

Grundlage für diese allmähliche Reformierung waren unter anderem theoretische Überlegungen der Polizeiführung, denen eine Gesellschaftsanalyse zugrunde lag, die vor allem zwei Dinge konstatierte: Die deutsche Gesellschaft erlebe einen „Wertewandel“ und eine „Legitimationskrise“, d.h. die Zahl derer, die die Legitimität staatlichen Handelns in der Bundesrepublik in Frage stelle, steige stetig. [31] Im Linksterrorismus fanden Polizeitheoretiker das herausragende Krisensymptom, hier schien sich beides, der Wertewandel und die Legitimationskrise, in besonderer Weise auszuformen. Da zugleich in den Kreisen der politischen Entscheidungsträger und der polizeilichen Führungsspitzen die Befürchtung reifte, dass das „Sicherheitsgefühl der Bevölkerung“ – eine zentrale Richtschnur polizeilichen Handelns, die die 1974 eingeführte Polizeidienstvorschrift 100 vorgab und nach wie vor vorgibt – erodierte, war die Entwicklung und Etablierung konzertierter Aktionen von Politik und Polizei zur Wahrung der „Inneren Sicherheit“ logische Folge. [32]

Die Politik tat das Ihre, den Rahmen für die polizeiliche Arbeit komfortabler abzustecken, als das bisher der Fall war. Das passte auf den ersten Blick nicht zum obersten politischen Entscheidungsträger der Zeit: Willy Brandt, 1969 zum Bundeskanzler ernannt, hatte seine erste Regierungszeit unter das Motto gestellt: „Mehr Demokratie wagen“. Das war ein großes Versprechen. Die sozial-liberale Koalition reagierte damit auf die außerparlamentarischen Proteste, vor allem auf die Studentenbewegung, die ihre grundlegende Kritik an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zuständen und am staatlichen Handeln in der Bundesrepublik auf die Straßen trug. Die dominante Mitbestimmung alter „Nazis“ in Politik und Wirtschaft, die Konsumhaltung der Bundesbürger im kapitalistischen System, die bedingungslose Freundschaft Deutschlands zu den USA, die in den Augen der Protestierenden eine maßlose und ungerechtfertigte Besatzungspolitik betrieben, das prangerten die Demonstrierenden als die für sie erkennbare Realität an. Die sogenannten Notstandsgesetze, 1968 von der Großen Koalition verabschiedet, galten als Bedrohung des Rechtsstaats und seiner Garantie individueller und kollektiver Freiheitsrechte. Brandt setzte dagegen sein Diktum, dass die Demokratie „außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen“ verlange. [33] Er versprach „mehr Chancengleichheit im Bildungswesen, die Herabsetzung des Wahl- und Mündigkeitsalters, die Gleichstellung der Frau im Ehe- und Familienrecht, eine Fortführung der Strafrechts- und Strafvollzugsreformen, den Ausbau der sozialen Sicherheit, die Monopolkontrolle insbesondere im Verlagswesen und die Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmung.“ [34] - Und er koppelte diese Öffnung zugleich mit einer deutlich zu Tage tretenden Sorge um die öffentliche Sicherheit: 1970 wurde das „Sofortprogramm zur Modernisierung und Intensivierung der Verbrechensbekämpfung“ installiert, das unter anderem die personelle und technische Aufstockung des Bundeskriminalamtes und die Einführung elektronischer Datenverarbeitung in der Polizei vorsah. [35] Das „Schwerpunktprogramm Innere Sicherheit“ von 1972 verschaffte unter anderem der Polizei und dem Verfassungsschutz eine Erhöhung ihrer finanziellen Ressourcen und erweiterte die Eingriffsbefugnisse der Polizei (etwa in Form von Telefonüberwachungen und Hausdurchsuchungen). Im selben Jahr wurden die „GSG 9“ des Bundesgrenzschutzes gegründet, Mobile Einsatzkommandos bei den Landespolizeibehörden installiert, die erste Version des Informationssystems INPOL zur Personenfahndung eingesetzt und die „Rasterfahndung“, bei der polizeiliche Daten mit Daten von Einwohnermeldeämtern, Energieversorgern oder Wohnungsmaklern abgeglichen werden konnten, eingeführt. [36]

Die extremistischen linken Kräfte verstanden ihr Handeln stets als Reaktion auf staatliche Maßnahmen. Besonders deutlich wird das gerade bei der „Bewegung 2. Juni“, die schon im Namen dieses Programm trug: Am 2. Juni 1967 war in Berlin anlässlich der Demonstrationen gegen den Schah-Besuch der Student Benno Ohnesorg durch einen Polizisten erschossen worden – ‚Ihr habt zuerst geschossen‘, mit dieser Geste erklärte die „Bewegung“ folglich ihre Gründung und ihre Aktionen. Ihre Attacken und Anschläge legitimierten die extremistischen und terroristischen Gruppierungen vor allem als Widerstandshandlungen. Die implizite und explizite Berufung auf das Grundgesetz, Artikel 20 Absatz 4, [37] war dabei besonders pikant, war diese Erweiterung des Artikels 20 doch gerade erst im Zuge der Notstandsgesetze gleichsam zur Beruhigung all derer ins Grundgesetz eingefügt worden, die fürchteten, dass der Staat sich allzu viele Möglichkeiten geschaffen hatte, Freiheitsrechte der Bürger zu beschneiden. Die explizite Berufung der politischen Aktivisten auf das Widerstandsrecht unterstützte ihren zentralen Vorwurf an die Bundesrepublik: Diese sei ein Polizeistaat, der sich nur im Gewand des Rechtsstaat präsentiere. Und dagegen müsse man sich – gleichsam grundgesetzlich geschützt (also durchaus unter Nutzung rechtsstaatlicher Normen) – wehren. [38]

Polizei und Justiz taten sich in vielerlei Hinsicht schwer mit den „Terroristen“, als Menschen waren sie für die Behörden nur schwer zu fassen. Die den Strafverfolgungsinstanzen eingängigen Erklärungsmuster für das Abrutschen eines Delinquenten in die Kriminalität, die stereotypen Einordnungskategorien für „typische“ Kriminelle oder Verbrecher griffen bei den Mitgliedern der RAF oder der „Bewegung 2. Juni“ nicht: „Sie kamen nicht aus den unteren, sondern vor allem aus den höheren Schichten der Gesellschaft und verfügten über ein hohes Bildungsniveau. Die Mehrheit von ihnen hatte eine weiterführende Schulbildung und einige ein Studium erfolgreich abgeschlossen […].“[39] In der Folge qualifizierten Justiz und Polizei die Beschuldigten wahlweise als „abhängig Verführte“, die von Einzelpersonen oder Gruppen beeinflusst in den Untergrund geschlittert waren, oder als „fanatische Rädelsführer“, „dreist, skrupellos, vom missionarischen Eifer erfüllt“. [40] „Die Mitglieder der RAF und der Bewegung 2. Juni wurden weder als eigenverantwortlich handelnde Personen wahrgenommen noch ihnen ein Subjektstatus zugebilligt.“ [41] Der „Terrorist“ war in polizeilichen Analysen zum „Prototyp“ des „modernen“ Täters geworden: „Sozial läßt er sich nicht mehr eindeutig bestimmen; seine Aktionen sind nicht zu berechnen; nationale Grenzen kennt er nicht; jedes Mittel ist ihm recht.“ [42]

Ebenso individuell wie der „Terrorist“ war auf der anderen Seite „der Polizist“. Gerade für das Ende der 1960er und den Beginn der 1970er Jahre kann ein personeller Umbruch in der Führungsebene der Länderpolizeien konstatiert werden: Die noch in der Weimarer Republik ausgebildeten Polizeiführer, zu deren „Kernrepertoire“ „nicht nur ein mythologisch überhöhtes Staatsschutzdenken, sondern auch konfrontative Einsatztechniken sowie Rückgriffe auf militärorientierte Lösungsansätze für polizeiliche Einsätze“ gehörten, traten jetzt in den Ruhestand. [43] Sie wurden abgelöst von „Modernisierern“, die polizeiliche Einsatzsituationen pragmatisch lösten – zu deren Selbstverständnis aber nach wie vor „Härte“ und „Unnachgiebigkeit“ gerade im Kampf gegen den Terrorismus gehörte. In den unteren Diensträngen öffnete sich die Polizei zeitgleich jetzt für Abiturienten. Für sie war die Ausbildung zum Polizisten nicht selten eine Alternative zu einem ursprünglich angestrebten Studium oder zunächst zumindest einmal eine gute Möglichkeit, den Dienst in der Bundeswehr zu umgehen. Mit diesen jungen Männern standen den Demonstranten Gleichaltrige gegenüber, die nicht selten Gleichgesinnte waren. Das Spektrum auf beiden Seiten also war bunt, dass es im Eifer nicht wahrgenommen wurde und nicht wahrgenommen werden konnte, ist aus der Distanz heraus nicht besonders schwer zu verstehen.

Vor wenigen Tagen, 40 Jahre nach seinem Tod, wurde in Köln noch einmal an Walter Pauli erinnert. 14 Jahre nachdem die Straßenschilder mit dem Aufdruck „Walter-Pauli-Ring“ in Köln-Kalk aufgestellt worden sind, hat die Stadt nun kleine Zusatztafeln an die Schilder montiert, die endlich auch die große Öffentlichkeit darüber informieren, wer Walter Matthias Pauli war: „* 16.01.1953 in Ochtendung + 09.05.1975 in Köln. Polizeihauptwachtmeister, der im Dienst getötet wurde“. Im Inneren des Gebäudes enthüllte der Kölner Polizeipräsident zeitgleich eine entsprechende Gedenktafel.

Die Namensgebung hat eine interessante Vorgeschichte: Erst kurz bevor das Kölner Polizeipräsidium im Oktober 2001 ins rechtsrheinische Köln-Kalk umzog, hatte der Rat der Stadt beschlossen, die Eisenbahnstraße, wo nun das neue Gebäude des Polizeipräsidiums fast bezugsfertig stand, in „Walter-Pauli-Ring“ umzubenennen. Die Kölner Polizei selbst, allen voran Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets „Interne Öffentlichkeitsarbeit“ des Polizeipräsidiums, hatte sich in dieser Sache engagiert. Im polizeiinternen Intranet waren eine landesweite Umfrage durchgeführt und Vorschläge für die Namensgebung der Straße gesucht worden. Unter den zahlreichen eingehenden Ideen hatte eine besonders überzeugt, nämlich eben die, die Straße nach dem im Dienst getöteten Kollegen zu nennen. Der Einsender des Vorschlags kannte den Getöteten gut, er war mit ihm zum Zeitpunkt der Tat in einer Dienststelle gewesen. Von dieser Idee durch den Kölner Polizeibeirat informiert, schien der Rat der Stadt Köln zunächst wenig begeistert. Hier tendierte man nämlich dazu, die Straße nach dem erst kurze Zeit zuvor verstorbenen Kölner Oberbürgermeister Harry Blum zu benennen. Voraussetzung für diese Form der Totenehrung allerdings war, dass der Verstorbene schon mindestens zwei Jahre tot sein musste. Auf traurige Weise erfüllte der Polizist Walter Pauli diese Bedingung. [44]

Was das Gedenken an Philip Werner Sauber angeht, bemerkte sein Freund Karl Heinz Roth 2006 in einem Zeitungsinterview: „Ich hoffe, dass es eines Tages möglich sein wird, seine Geschichte und die Geschichte seiner Genossinnen und Genossen umfassend zu rekonstruieren.“ [45] Es wird nicht möglich sein, das zu tun, ohne nicht gleichzeitig die Geschichte der vermeintlichen ‚Gegenseite‘, der Politik und Polizei, mit in den Blick zu nehmen. Was dabei entstehen könnte, ist ein Beitrag zur Geschichte einer Sozial- und Kulturgeschichte der „Inneren Sicherheit“ in der Bundesrepublik. Denn die ist noch nicht geschrieben. [46]

Literatur

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Diewald-Kerkmann, Gisela: „Verführt“ – „abhängig“ – „fanatisch“: Erklärungsmuster von Strafverfolgungsbehörden und Gerichten für den Weg in die Illegalität – Das Beispiel der RAF und der Bewegung 2. Juni (2971-1973). In: Weinhauer, Klaus; Requate, Jörg; Haupt, Heinz-Gerhard (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren. Frankfurt / M. , New York 2006. S. 217-243.

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Edschmid, Ulrike: Das Verschwinden des Philip S.. Frankfurt/M. 2013.

Elter, Andreas: Propaganda der Tat. Die RAF und die Medien. Frankfurt / M. 2008.

Kraushaar, Wolfgang; Wieland, Karin; Reemtsma, Jan Philipp: Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF. Hamburg 2005.

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Zorn, Fritz: Mars. München 1977.

Konzeption: Forschungsgruppe BiBeLL der FHöV NRW
Text: Heike Wüller; Gestaltung: Martina Eckert

[1] Kölner Stadtanzeiger, 10./11. Mai 1975, S. 1.
[2] Kölner Stadtanzeiger, 13. Mai 1975, S. 22.
[3] Kölner Express, 10./11. Mai 1975, S. 1.
[4] Zur Biografie Walter Paulis vgl.: o.V.: Walter Pauli. Walter-Pauli-Ring 2-6 – Mahnung und Erinnerung.
https://www.polizei.nrw.de/koeln/artikel_10461.html
(Stand: 12.05.2015).
[5] Vgl. Otto, Roland: Erklärung zur Person. Köln, 14.2.1977. In: Dethloff, Klaus; Golzem, Armin; Hannover, Heinrich; Heiermann, Wolfgang; Niepel, Frank; Otto, Roland; Roth, Karl Heinz (Hg.): Ein ganz gewöhnlicher Mordprozeß. Das politische Umfeld des Prozesses gegen Roland Otto, Karl Heinz Roth und Werner Sauber. Berlin 1978. S. 33-43.
[6] Vgl. Roth, Karl Heinz: Erklärung zur Person. Köln, 8.2.1977. In: Dethloff, Klaus; Golzem, Armin; Hannover, Heinrich; Heiermann, Wolfgang; Niepel, Frank; Otto, Roland; Roth, Karl Heinz (Hg.): Ein ganz gewöhnlicher Mordprozeß. Das politische Umfeld des Prozesses gegen Roland Otto, Karl Heinz Roth und Werner Sauber. Berlin 1978. S.44-58.
[7] Ryser, Daniel: Sauber, Tod und Teufel. In: WOZ Nr. 09/2006 vom 2.3.2006. http://www.woz.ch/0609/sauber-tod-und-teufel
Stand: 30.03.2015.
[8] Der Dritte im Bunde, dessen Biografie de Roulet mit seiner und der Saubers in seinem Buch verknüpft, ist Fritz Zorn, der dreißigjährig an einer schweren Krebserkrankung sterben, seine letzten Lebensmonate im Roman „Mars“ festhalten und so zu Berühmtheit gelangen sollte. Vgl. Zorn, Fritz: Mars. München 1976.
[9] de Roulet, Daniel: Double. Ein Bericht. Zürich 1998. S. 21. Der Bruder Werner Saubers, Peter Sauber, ist der Öffentlichkeit bekannt als ehemaliger Formel-1-Rennstallbesitzer.
[10] De Roulet, Double, S. 41.
[11] De Roulet, Double, S. 56.
[12] Werner Sauber studierte dort unter Wolfgang Petersen („Das Boot“) und dem bekannten Dokumentarfilmer Harun Farocki. Vgl. Ryker, Daniel, Sauber, Tod und Teufel.
[13] Werner Sauber nennt sich in Berlin mit Vornamen Philip.
[14] Edschmid, Ulrike: Das Verschwinden des Philip S.. Berlin 2013. S. 58. Ihr Werk „Frau mit Waffe. Zwei Geschichten aus terroristischen Zeiten“ (Frankfurt/M. 2001), das die Lebensgeschichten von Katharina de Fries und Astrid Proll erzählt, hat Ulrike Edschmid in einer Vorbemerkung kommentiert: „Das Buch entstand in Erinnerung an Philip W. Sauber, den Gefährten jener Jahre, der die Zeit nicht überlebt hat.“
[15] Edschmid, Das Verschwinden des Philip S., S. 67-68.
[16] De Roulet, Double, S. 61.
[17] De Roulet, Double, S. 73, S. 74.
[18] Vgl. De Roulet, Double, S. 99-100.
[19] De Roulet, Double, S. 106.
[20] Roland Otto und Karl Heinz Roth, seine Freunde, die dabei waren, als er starb, mussten sich 1977 vor Gericht wegen vollendeten und versuchten Mordes verantworten, beide wurden 1977 freigesprochen, weil ihre Anwälte den Nachweis erbringen konnten, dass sie in der Nacht zum 9. Mai 1975 nicht geplant auf die anwesenden Polizisten geschossen hatten.
[21] Zum Tod unseres Genossen Werner Sauber. Mai 1975 – Erklärung der Bewegung 2. Juni zum Tod von Werner Sauber. O.S.
http://bewegung.nostate.net/mate_sauber.html
(Stand: 12.05.2015).
[22] Sauber, Werner: Mit dem Rücken zur Wand? Januar 1975 – eine Analyse . http://bewegung.nostate.net/mate_wand.html
(Stand: 12.05.2015).
Zur Entwicklung jugenddominierter Szenen im Kontext von Individualisierungsprozessen, kultureller Ausdifferenzierung und Medialisierung in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre (darunter „Gammler“ und „Umherschweifende Haschrebellen“) vgl.: Siegfried, Detlef: Ästhetik des Andersseins: Subkulturen zwischen Hedonismus und Militanz 1965-1970. In: Weinhauer, Klaus; Requate, Jörg; Haupt, Heinz-Gerhard (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren. Frankfurt / M. , New York 2006. S. 76-98.
[23] Sauber, Mit dem Rücken zur Wand? Januar 1975 – eine Analyse.
[24] Sauber, Mit dem Rücken zur Wand? Januar 1975 – eine Analyse.
[25] Meinhof, Ulrike: Das Konzept Stadtguerilla. In: Rote Armee Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. Berlin 1997. S. 27-48, hier: S. 30.
[26] Zum Tod unseres Genossen Werner Sauber. Mai 1975 – Erklärung der Bewegung 2. Juni zum Tod von Werner Sauber. O.S.
http://bewegung.nostate.net/mate_sauber.html
(Stand: 12.05.2015).
[27] Weinhauer, Klaus: Zwischen „Partisanenkampf“ und „Kommissar Computer“: Polizei und Linksterrorismus in der Bundesrepublik bis Anfang der 1980er Jahre. In: Weinhauer, Klaus; Requate, Jörg; Haupt, Heinz-Gerhard (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren. Frankfurt / M. , New York 2006. S. 244-270, hier: S. 252.
[28] Vgl. Scheiper, Stephan: Der Wandel staatlicher Herrschaft in den 1960er/70er Jahren. In: Weinhauer, Klaus; Requate, Jörg; Haupt, Heinz-Gerhard (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren. Frankfurt / M. , New York 2006. S. 188-216., hier: S. 189-190.
[29] Der Spiegel, 9.9.1977, S. 66. Zitiert nach: Scheiper, Der Wandel staatlicher Herrschaft, S.188.
[30] Busch, Heiner; Funk, Albrecht; Kauß, Udo; Narr, Wolf-Dieter; Werkentin, Falco: Die Polizei in der Bundesrepublik. Frankfurt/M., New York 1988, S. 227.
[31] Vgl. Busch,et al., Die Polizei in der Bundesrepublik, S. 229.
[32] Vgl. Busch, et al., Die Polizei in der Bundesrepublik, S. 234-235.
[33] Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, 29.10.1969, S. 1121. Zitiert nach: Saupe, Achim: Von „Ruhe und Ordnung“ zur „inneren Sicherheit“. Eine Historisierung gesellschaftlicher Dispositive, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 9 (2010), H. 2,
URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2010/id=4674
(Stand: 12.05.2015), S. 179.
[34] Saupe, Von „Ruhe und Ordnung“ zur „inneren Sicherheit“, S. 179.
[35] Vgl. Saupe, Von „Ruhe und Ordnung“ zur „inneren Sicherheit“, S. 180.
[36] Vgl. Sauper, Von „Ruhe und Ordnung“ zur „inneren Sicherheit“, S. 180.
[37] „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“
[38] So etwa auch bei Niepel, Frank: Chronologie der Art und Weise, wie die Justiz der BRD die Schießerei am 9.5.1975 in Köln zwischen Polizisten und Linken zu bewältigen versuchte und immer noch versucht. In: Dethloff, Klaus; Golzem, Armin; Hannover, Heinrich; Heiermann, Wolfgang; Niepel, Frank; Otto, Roland; Roth, Karl Heinz (Hg.): Ein ganz gewöhnlicher Mordprozeß. Das politische Umfeld des Prozesses gegen Roland Otto, Karl Heinz Roth und Werner Sauber. Berlin 1978. S. 9-32. Hier S. 32: Die Polizei entwickele sich zum „unkontrollierten Machtapparat im Staat. Hier verändert sich der Rechtsstaat zum Polizeistaat.“
[39] Diewald-Kerkmann, Gisela: „Verführt“ – „abhängig“ – „fanatisch“: Erklärungsmuster von Strafverfolgungsbehörden und Gerichten für den Weg in die Illegalität – Das Beispiel der RAF und der Bewegung 2. Juni (2971-1973). In: Weinhauer, Klaus; Requate, Jörg; Haupt, Heinz-Gerhard (Hg.): Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren. Frankfurt / M. , New York 2006. S. 217-243, hier S. 217-218.
[40] Diewald-Kerkmann, „Verführt“ – „abhängig“ – „fanatisch“, S. 240. Zur Kriminologie, Kriminalwissenschaft und Strafrechtspraxis der 1970er-Jahre vgl. auch: Baumann, Imanuel: Dem Verbrechen auf der Spur. Eine Geschichte der Kriminologie und Kriminalpolitik in Deutschland 1880 bis 1980. Göttingen 2006, S. 303-362.
[41] Diewald-Kerkmann, „Verführt“ – „abhängig“ – „fanatisch“, S. 241. Für den Prozess gegen Roland Otto und Karl Heinz Roth immerhin konstatiert einer der Anwälte der Angeklagten Klaus Dethloff: „Roland Otto und Karl Heinz Roth werden da plötzlich immerhin als die Personen gesehen, als die sie sich in der Hauptverhandlung dargestellt haben, als Menschen mit einer eigenen Biographie […].“ (Dethloff, Klaus: Lernprozeß oder Wir lassen uns das Singen nicht verbieten. In: Dethloff, Klaus; Golzem, Armin; Hannover, Heinrich; Heiermann, Wolfgang; Niepel, Frank; Otto, Roland; Roth, Karl Heinz (Hg.): Ein ganz gewöhnlicher Mordprozeß. Das politische Umfeld des Prozesses gegen Roland Otto, Karl Heinz Roth und Werner Sauber. Berlin 1978. S. 3-8, hier: S. 6.).
[42] Busch, et al., Die Polizei in der Bundesrepublik, S. 234.
[43] Weinhauer, Zwischen „Partisanenkampf“ und „Kommissar Computer“, S. 251.
[44] Die Forschungsgruppe „Bildung, Beruf und Lebenslanges Lernen“ dankt Hermann Wesseling, ehemals PP Köln, für diese Informationen.
[45] Ryser, Sauber, Tod und Teufel.
[46] Vgl. zu diesem Desiderat: Weinhauer, Klaus: Schutzpolizei in der Bundesrepublik. Zwischen Bürgerkrieg und Innerer Sicherheit. Die turbulenten sechziger Jahre. Paderborn, München, Wien, Zürich 2003, S. 349.

Am 20.5.2015 fand in der FHöV NRW, Abteilung Köln, eine Veranstaltung mit dem Titel „Rückblenden – Erinnerungen an den 9. Mai 1975“ statt. Ulrike Edschmid las aus ihrem Roman „Das Verschwinden des Philip S.“, LPD a.D. Udo Behrendes las aus Erinnerungsberichten von Kollegen, Freunden und Weggefährten von Walter Pauli.

Veranstalterin war die Forschungsgruppe „Bildung, Beruf und Lebenslanges Lernen“ der FHöV NRW, durch den Abend führte Carmen Thomas. Eine ausführliche Publikation ist in Planung.

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