Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen

FHöV Aktuell Dezember 2018
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Von Newsletter-Redaktion 19. Dezember 2018 FHöV-Aktuell | Newsletter


Liebe Leserin, lieber Leser,

„Ich bin dann mal weg."

Der Satz, der später zum Titel des Buches von Hape Kerkeling wurde, ist mir seit meiner Jugend bekannt. Am Niederrhein, wo ich geboren und aufgewachsen bin, verabschiedet man sich so aus der Gruppe, wenn man die Gespräche der anderen nicht stören will, aber gehen muss, weil man etwas anderes zu tun hat. Den Satz habe ich mit Bedacht als Überschrift für mein letztes Vorwort für den Newsletter der FHöV NRW ausgesucht.

Nach 45 Jahren im Landesdienst, beginnt am 1. Januar 2019 für mich die Zeit des Ruhestands. Die Bezeichnung klingt mir zu passiv. Ein Ruheständler steht in meiner Vorstellung nicht, sondern sitzt auf einem Sofa und liest Zeitung. Beim Wort Rentner denke ich an ältere Herren, die nie Zeit haben und an Samstagen die Baumärkte bevölkern. Aber ich komme vom Thema ab.

Von meinen 45 Dienstjahren war ich das letzte Drittel an der und für die FHöV NRW tätig. Zunächst von 2003 bis 2008 als Dozent an der Abteilung Duisburg, von 2008 bis 2013 als Vizepräsident und von 2013 bis 2018 als Präsident. In dieser Zeit hat sich die Hochschule rasant entwickelt. Noch nie gab es in ihrer mehr als vierzigjährigen Geschichte so viele Studierende, Lehrende und Verwaltungsangehörige. Die FHöV NRW gehört inzwischen zur Gruppe der größten Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen.
Auch auf die qualitative Entwicklung der Hochschule können wir stolz sein. Unsere Bachelorstudiengänge sind etabliert und reakkreditiert und der Masterstudiengang entwickelt sich ebenfalls hervorragend. Bei der Digitalisierung, der didaktischen Weiterbildung der Lehrenden und der Studierendenberatung haben wir Fortschritte gemacht. Die Arbeitsbedingungen für Lehrende sowie für Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wurden verbessert und sollen künftig noch stärker die Bedürfnisse aufgrund familiärer Verpflichtungen berücksichtigen.
Das alles konnte nur erreicht werden, weil sich viele Menschen für die Hochschule engagieren. Ihnen allen danke ich am Ende meiner Amtszeit herzlich für die vielfache Unterstützung!

Mir ist noch gut ein Aufsatz von Lothar Zechlin, Gründungsrektor der Universität Duisburg-Essen, in Erinnerung, der den Hochschulleitungen die Frage stellte: „Was wollen Sie sein – Gärtner oder Maschinist?" Für mich stand sofort fest, dass das Bild des Maschinisten nicht zu mir passt. Eine Hochschule sollte man nicht wie eine Behörde leiten, denn beide Institutionen unterscheiden sich erheblich. Ein wesentliches Merkmal einer Hochschule ist die Selbstverwaltung. Senat und Fachbereichsräte arbeiten partnerschaftlich mit dem Präsidium, den Abteilungsleitungen und der Hochschulverwaltung zusammen, um die Hochschule zu gestalten und zu entwickeln. Ein Präsident kann dazu beitragen, indem er günstige Rahmenbedingungen dafür schafft, die Arbeit anderer wertschätzt und engagierte Mitglieder der Hochschule fördert. Dazu passt das Bild des Gärtners.
Eine weitere Besonderheit der Hochschule ist, dass sie von einem Präsidium als Kollegialorgan geleitet wird. Diese besondere Form der Leitung gelingt nur, wenn sich jedes Mitglied des Kollegiums als Teil eines Teams sieht und gleichberechtigt und partnerschaftlich mit den beiden anderen Präsidiumsmitgliedern zusammenarbeitet. So habe ich es an der FHöV NRW erlebt und auch deshalb hat mir die Tätigkeit als Präsident viel Freude gemacht.

Mit Dankbarkeit und Zufriedenheit schaue ich zurück und mit Freude und Spannung schaue ich auf die kommende Zeit. Es wird weder eine Zeit des Ruhestands noch eine Zeit hektischer Betriebsamkeit sein, sondern hoffentlich eine Zeit der Muße.
Einen großen Teil der gewonnen (Frei-)Zeit werde ich gewiss mit der Fotografie ausfüllen. Die Fotografin Dorothea Lange (1895-1965) beschrieb dies sehr gut: „Du hängst am Morgen die Kamera um, so wie du dir deine Schuhe anziehst und schon hast du ein Anhängsel deines Körpers, das dein Leben mit dir teilt. Die Kamera ist ein Instrument, das Menschen lehrt, ohne Kamera zu sehen."
Wenn Ihnen also in der Stadt ein älterer Herr mit einer Leica begegnet, könnte ich das sein.

In diesem Sinne: „Ich bin dann mal weg."


Ihr

Reinhard Mokros
Präsident der FHöV NRW